Die Verwüstung
Die Verwüstung begann unmerklich. Vorerst stiegen die Temperaturen um einige Grad und es regnete weniger als sonst, dafür in gewaltigen Güssen, aber es dauerte nur kurze Zeit, bis das Wasser wieder verschwand. Eines Tages regnete es gar nicht mehr, und nur kleine Tümpel und Pfützen blieben stehen, wo sich einmal Bäche, Flüsse und Seen befanden. Es wurde immer heißer. Die Industrie reagierte sofort und stellte mehr Sonnenschirme und Klimaanlagen her, doch das waren die einzigen Maßnahmen, die man traf. Ein paar Wetterkundler wiesen auf Merkwürdigkeiten im Wetterablauf hin, nur wollte kaum einer sie verstehen, und ihre Warnungen wurde sofort wieder vergessen oder verdrängt oder als ideologische Panikmache abgetan. Für die Energiegewinnung fuhr man dann die Kraftwerke zur Höchstleistung hoch und baute neue, weil immer mehr Strom für Kühlung benötigt wurde. Windräder und Solaranlagen hatte man zuvor eigennützig ablehnt, die störten im Landschaftsbild. Aber genau dieses Landschaftsbild hatte sich längst von selbst zerstört, war seltsam graubraun eingefärbt, die Felder und die Wälder verdorrten, nichts als Staub lag in der Luft. Als schließlich die Flüsse gänzlich verschwunden waren, kreidete man es den jeweiligen feindlichen Landesfremden an, doch weil die Nachrichtenübermittlung nicht zu verhindern war, erfuhr alle Welt von der synchronen Verwüstung vieler Gebiete der Erde. Es wurde hauptsächlich von einer vorübergehenden Krise der Witterung gesprochen, von einer Verlagerung der Erdachse oder ähnlichem. Jeder Staat heuerte aber insgeheim Fachleute aus der Sahara und der Atacama an, deren Erfahrung das hitziger werdende Leben erleichtern sollte. Die Bevölkerung, die sich bereits in die Keller der Häuser, in Tiefgaragen oder in Höhlen zurückgezogen hatte, konnte kaum noch mit Wasser versorgt werden, gewöhnte sich aber langsam an den unterirdischen Zustand, denn es gehörte zu den vornehmsten Aufgaben einer Bevölkerung, sich an Zustände zu gewöhnen: “Ich lebe jetzt!“, sagte ein geachteter Mensch und ermunterte trotzig seine Anhänger zur eigenwilligen Missachtung der Gewissheit, und eine bekannte Persönlichkeit prägte endlich den Satz vom „Leben mit der Hitze“, der bald in aller Munde war. Leider wurden eitle Ignoranz und fatale Gewöhnung immer wieder gestört, und zwar durch die Temperatur selbst, die, von den vielen beruhigenden Weisheiten unbeeindruckt, ständig weiter anstieg. - Bitterste Not brach aus und bitterste Angst. Durst und Hunger griffen um sich. Das Internet stürzte ab, alle Medien löschten sich aus, dafür flogen Drohnen über die brodelnden Städte und warfen Flugblätter ab, des Inhalts, dass alles getan werde, das Unglück abzuwenden. Gläubig lasen die schmorenden Menschen die Blätter. Den Hitzeopfern hielt man die Zettel vor die Augen mit simplen Beruhigungsparolen. Das waren die letzten Menschen, die schließlich niemals erfuhren, dass die Erde nun "wüst und leer" geworden war! Das zu verheimlichen, war zuvor allen Beteiligten wichtiger, als in den zunehmenden Temperaturen, den brennenden Wäldern, den auftauenden Gletschern, den häufigen Unwettern und in den brutalen Hitzeperioden mit ihren großen Dürren, eine drohende Weltkatastrophe zu erkennen. Gewiss: Für eine weitere würde man nun viel besser vorbereitet sein, wenn man sich nicht schon bei der ersten verbrannt hätte.
Es ist eine etwas sarkastische Parodie auf Günter Kunerts groteske Kurzgeschichte "Sintflut" in "Tagträume 1972"

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Ein kleiner Waldbrand nur etwa 4 Ar in einer Schonung bei Neurod
Brandherd neben der Sitzbank?