(K)ein Grund für die Bürger der Stadt zu erschrecken.

Das ist ein Protestbanner auf der Pappelalle. Ein Solarpark soll installiert werden. Man entrüstet sich, lehnt das Projekt ab und begründet das mit der Gefahr für die Vogelwelt, mit Artenschutz, dem Wegfall wertvoller Ackerböden und der Zerstörung des Landschaftsbilds, der sogenannten badischen "Toskana".
Kommentar:
Viele Sichtweisen der Protestbewegung am Thomashof entsprechen nur ihrer eigenen Wahrnehmung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das ist für alle offensichtlich. Es ist nicht wegzuleugnen. Das Landschaftsbild ist nämlich von intensiverster konventioneller Landwirtschaft geprägt, mit allem was dazu gehört; künstlichem Dünger, massiven Einsatz von Pestiziden gegen Unkraut und Schädlinge und Bodenbedeckung durch Plastikfolien. Außerdem grenzt das Gebiet an die Zufahrtsstraße eines riesigen Golfareals. Der dadurch von vielen Autos befahrenen Pappelallee geht's gar nicht gut. Landschafts- und Artenschutz gibt's dort nicht, ist gar nicht möglich. Insekten und somit auch Vögel haben es schwer auf den Maisäckern und Getreidefeldern beiderseits der Pappelallee.
Anderseits scheint der Investor des Solarparks zunächst viel zu profitorientiert geplant zu haben. Die Paneelen stünden viel zu eng beieinander und würden die Böden zu sehr verdichten, so wie das bislang durch die Plastikfolien der Maisäcker geschehen ist. Das geht wirklich nicht!
Hoffnung macht der Vorschlag: "Hof-naher Agri-PV". Das wäre ein Gewinn für alle, wenn man überhaupt dazu bereit sein will. Der Ortschaftsrat in Stupferich ist das mehrheitlich allerdings nicht. Der Stadtrat wird entscheiden müssen. Viele Bewohner und Anwohner befürworten zwar die Energiewende, sehen sich aber in diesem Fall als "leidtragende" Opfer", hinzu kommen noch die Bürger, die den Klimawandel an sich nur als ideologisches Narrativ und die Folgen nur als herbeigeredet betrachten. Aber wer bringt jetzt welche "Opfer"? Die bringen seit Jahrzehnten die Mitbürger in Knielingen und Neureut, die grad nach Luft schnappen, weil sie in einer "Landschaft" neben jenem Kohlekraftwerk wohnen müssen, das gerade Hitze und Treibhausgase rauspustet, für den Strom, den alle hier in dieser Stadt konsumieren. Wäre eigentlich dort ein Protest wegen gesundheitlicher Risiken gerechtfertigt? Aber die größten Opfer werden unsere Kinder und Enkel erbringen müssen, in einer Welt, die wir ihnen hinterlassen.
"Artenschutz": Aber ja - oder doch nicht? Aus dem Leserbrief in den BNN.
Kleine Bemühungen um eine Erhaltung natürlicher Biodiversität findet man etwa 1 Kilometer entfernt bei der Birkenallee (Hohenwettersbach) an dem kleinen FFH-Biotop "Alte Bach" mit altem Steinbruch! Aber das lehnen manche Anwohner ebenfalls ab, weil die Zufahrtsstraße wegen "Artenschutz" nachts gesperrt wird!!! Das ist aber ein Widerspruch!, weil diese Leute in ihrem Leserbrief den Solarpark aus "Artenschutzgründen" ablehnen.
Reflexion:
Dieser Protest ist allerdings nicht das begrüßenswerte Engagement von Menschen, Initiativen, Verbänden und Gruppen, die sich gegen großmännische Machenschaften ohne Berücksichtigung natürlicher menschlicher Bedürfnisse zur Wehr setzen. Beispielsweise gegen Verursacher der weltweiten Klimakatastrophe, die unbeherrschbare Atomkraft, die fürchterlichen Kriege, die Zerstörung der Natur aus Profitgier, die Ausbeutung der Ressourcen in der 3.Welt und deren Folgen, den Hunger in der Welt oder gegen Ungleichheit und Rassismus! So etwas ist wünschenswerte, aktiv gelebte Demokratie, in der sich Menschen einsetzen, um eine bessere Welt für alle zu ermöglichen. Da bringt man auch mal Opfer!
Nein, dieser "Aufschrei" geht anders. Der erschallt nur, wenn's einzig um die Befriedigung der eigenen Belange geht. Man fürchtet stets eine große Benachteiligung und den Verlust der im Leben erreichten materiellen Errungenschaften. Droht hier Gefahr, entlarvt sich dann der brave Bürger! Er wird zum Ego-Wutbürger! Ursache dieser Phänomene sind ausgeprägte und leider weitverbreitete kleinbürgerliche Gruppenegoismen. Nur wenn unmittelbare eigene Interessen zählen, wird man initiativ, man schweißt sich zusammen und begehrt auf. Dann gibt's in dieser verschworenen Peergroup auch keine zweite Meinung mehr, sonst droht Ausgrenzung. Beispiele finden sich genug.
Persönliches:
In Stupferich kenne ich sehr viele liebenswerte Menschen, darunter auch etliche gute Freundinnen und Freunde. Das bleibt auch so, ob der Solarpark kommt oder auch nicht.
Harald Braun - Durlach
Dokumentation:
Landschaftbilder bei der Durlacher Pappelallee
Bitte das Bild anklicken.
Das ist die Landschaft gleich neben der Pappelallee, die sogenannte badische Toskana, die jetzt durch einen Solarpark "verschandelt" werden soll. zu sehen sind nur plastifizierte Maisäcker. Wegen der intensiven chemischen Behandlung der Böden mit Pestiziden wächst kein Unkraut und es regt sich kein Insekt. Hier gibt es keine Biodiversität, Artenschutz ist unmöglich. Im Gegenteil: kein guter Platz für irgendwelches Getier.
Monokulturen und "moderne" Agrartechnik in der "badischen" Toskana.

Das ist die Pappelallee, genauer die Absperrung davor. Die badische "Toskana" wurde am 23.6. wegen Trockenschäden gesperrt. Die Bäume halten einfach die Hitze und Trockenheit nicht mehr aus und fallen um. Opfer des durch Treibhausgase fortschreitenden Klimawandels, genau dadurch verändert sich das Landschaftsbild merklich, wie alle sehen können, das ist nicht zu verleugnen, das ist leider Fakt.

Das sind die glühenden Städte Durlach und Karlsruhe von oben, es brodelt derzeit. Die Bewohner besonders in der Innenstadt müssen gerade den Stick und die enorme Hitze ertragen. Im Stadtkern, in der Südstadt und im Westen, wo das Kohlekraftwerk der ENBW beim Aufheizen hilft, ist's noch brutaler, kaum auszuhalten, und dort bleibt niemand verschont.


