Der Wolf geht um - Born to be wild

Born to be wild:

Hallo Leute,

ich bin der 🐺GW2672m und noch bin ich da. Ich stamme aus einem sesshaften Rudel in Österreich und lebe seit einiger Zeit im Nordschwarzwald, der Nationalpark ist mein Revier. Dort gefällt's mir ziemlich gut, es gibt genug zu fressen, kranke Wildtiere und so. Das ist gut fürs Ökosystem, besonders für den jungen Wald. Die Menschen beobachte ich besser aus der Ferne, ich bleib aber immer auf Abstand und nähere mich ihnen nicht, eher umgekehrt. Oft wollen sie mich fotografieren, das gefällt ihnen sehr, und wenn sie nett sind, mir auch. Aber meistens sind die so richtig blöde Panikmacher, die mir alles Mögliche andichten: Ich soll das Rotkäppchen und ihre Großmütter aufgefressen haben und noch andere unsinnige Märchen. Dabei lassen sie ihre Hunde in den Wäldern und im Nationalpark frei rumlaufen, das ist doch verboten, dann soll ich's gewesen sein, der die Wildtiere stresst. Solche Probleme mache ich nicht. Ich bin kein Problemwolf!!! Derzeit wollen sich prominente Wahlkämpfer profilieren und fordern meine "Entnehmung", das heißt in Wirklichkeit: "Abschuss", also "Ausrottung". Aber hallo, mit welchem Recht eigentlich? Mal ehrlich, es gibt doch europaweit keinen einzigen Nachweis, dass wir Wölfe euch Menschen jemals was Schlimmes angetan haben! Übergriffe – wann und wo soll das denn gewesen sein???? In ganz Europa kommen wir mit den Menschen völlig normal aus, wir akzeptieren einander, nur hier in diesem Ländle wird gegen uns gehetzt. Viele Kinder werden alltäglich von Hunden gebissen, wo bleibt ein Aufschrei? Bedrohen, verletzen, töten, so was macht ihr Menschen doch nur unter euch selbst. Und euer Schnitzel fress ich euch bestimmt nicht weg, das kommt sowieso nicht von der Viehweide der Schwarzwaldbauern, das kommt von den riesigen Fleischfabriken mit Massentierhaltung, oder demnächst sogar von weit her aus Südamerika, wo man dafür noch mehr Urwald roden und die Böden verpesten muss. Dort treibt ihr dann sehr viele eurer einheimischen Mitmenschen in die Armut, nur wegen eurer billigen Grillsteaks für Aldi und Co. 

Wer ist also der Böse?

Hallo ich will auch leben!

Mit wölfischen Grüßen vom 🐺GW2672m

Wolf GW2672m hat noch nie einen Menschen angegriffen!!!!

Dennoch ist der Wolf umstritten. Zwar geht für den Menschen keine Gefahr aus, jedoch haben Wölfe in der Vergangenheit immer wieder Nutztiere angegriffen. Daher fordert diese Bundesregierung eine Änderung des Jagdgesetz angeblich zum Schutz von Nutztieren. In anderen europäischen Ländern ist der Wolf willkommen. Man kommt klar mit dem Mitbewohner des Planeten. In Deutschland werden die Tiere durch populistische Narrative missbraucht - jetzt auch von den "Grünen".

Wer ist der Wolf GW2672m?

Ursprünglich stammt der Wolf aus Österreich - 2022 wurde er zum ersten Mal in Baden-Württemberg nachgewiesen. Seit 2023 lebt der Wolf rund um die Hornisgrinde (Ortenaukreis), im Nordschwarzwald. Sein Territorium erstreckt sich über den Nationalpark Schwarzwald und darüber hinaus. Das Tier ist ein Männchen und lebt aktuell alleine in seinem Revier.

Quelle: FVA Wolfmonitoring - Fotos: Martin Hauser (Revierförster/LFA-Rastatt) - Text: Satire

Der Wolf vom Hohloh 🐺GW 852m

Fotofalle auf dem Kaltenbronn von Martin Hauser

Hallo Leute,

ich bin der GW 852m und bin schon lange da. Ich stamme aus einem sesshaften Rudel in Niedersachsen und lebe seit 2017 im Nordschwarzwald, so zwischen Murgtal und Enztal ist mein Revier. Dort gefällt's mir ziemlich gut, es gibt genug zu fressen, kranke Wildtiere und so. Nur wenn's ganz knapp wird und ich nix im Magen hab', probier' ich auch mal ein Schaf oder eine Geiß aus. Das letzte Mal  hat das leider nicht so gut geklappt, die zickige Geiß hat meinen "Übergriff überlebt" (was für ein doofes Wort für Abendessen), aber die war eh uralt und hätte nie und nimmer jemandem geschmeckt! Für dem Bauer war's letztendlich OK, er hat eine gute Entschädigung dafür bekommen! Den Menschen weiche ich besser aus, die wollen mir alles Mögliche andichten, alles unsinnige Märchen. Derzeit wollen sich b-prominente Hinterbänklerköpfe profilieren und fordern meine "Entnehmung", das heißt in Wirklichkeit "Abschuss". Und die Bundesregierung verabschiedete unlängst sogar ein teuflisches Ausrottungsgesetz. Kein Wunder, dass man die überhaupt nicht mag.

Mit wölfisch freiheitlichen Grüßen, 🐺GW582m aus dem Schwarzwald


Während der zum Abschuss freigegebene Hornisgrinde-Wolf den Jägern davongelaufen ist und dadurch – zumindest vorerst – sein Leben rettete, könnte ein anderer Wolf im Nordschwarzwald bald Vaterfreuden entgegensehen. Das Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik hat nun bestätigt, was Experten vermuteten: Der Rüde mit der Bezeichnung GW852m, der sogenannte "Wolf vom Hohloh" oder "Enztalwolf" hat eine Freundin bekommen. Das ist aber eine schöne Überraschung, da kann man nur gratulieren.

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Das sagt die Wissenschaft:

Am 5. März hat der Deutsche Bundestag beschlossen, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Damit dürfen Wölfe in Zukunft geschossen werden, mit dem Ziel, einen günstigen Erhaltungszustand zu gewährleisten. Befürworter:innen der Entscheidung argumentieren mit einem verbesserten Weidetierschutz.

Wissenschaftlich betrachtet ist die generelle Jagd auf Wölfe nicht sinnvoll. Hier ein paar Argumente: Es sind lediglich einzelne Wölfe, die lernen, Weidetiere anzugreifen und Schutzmaßnahmen zu umgehen. Meist lernen sie das, weil Weidetiere nicht ausreichend geschützt sind, und damit den Wölfen schnelle, leichte Jagderfolge gelingen. Solche Problemwölfe können schon jetzt geschossen werden.

Manche dieser Tiere sind jung und auf dem Weg, ein neues Territorium zu besetzen. Schießt man Wölfe, die sich normal verhalten, werden ihre Territorien frei und möglicherweise von einem Wolf mit problematischem Verhalten besetzt. Auch von anderen territorialen Raubtieren wissen wir: „Der beste Schutz gegen einen Haustierjäger, ist ein Nicht-Haustierjäger“.

Weidetiere können geschützt werden. Am besten wirken 120 cm hohe Elektrozäune. Als Mindestmaß für die Gewährung von Kompensationszahlungen, durch die betroffene Haustierhalter:innen entschädigt werden, gelten aber nur 90 Zentimeter. Das Argument hierfür ist, dass ein Kompromiss zwischen Wolfsschutz und bisheriger Einzäunungspraxis gefunden werden musste. Den im letzten Monitoringzeitraum (2024/25) nachgewiesenen 4.300 Wolfsangriffen auf Weidetiere stehen hunderttausende unnatürliche Todesfälle (Festliegen, Verfangen in Weidezäunen, Parasitenbefall und Krankheiten, Angriffe von Haushunden, Unfälle) gegenüber. Angriffe durch Wölfe machen also nur einen winzigen Anteil der Todesursachen von Weidetieren aus.

Anstatt unproblematische Wölfe zu schießen, sollten wir Weidetierhalter:innen unterstützen, den besten Herdenschutz umzusetzen, und sie im Falle eines trotzdem geschehenen Angriffs durch einen Wolf, für ihren Haustierverlust schnell und unbürokratisch entschädigen. Am Ende helfen Wölfe auch ihnen, weil sie zur Vermeidung der Ausbreitung vo Wildtierkrankheiten beitragen, die auch auf Nutztiere übertragen werden können.

Der Schutz von Wölfen wäre für uns alle die bessere und billigere Lösung, weil Wölfe als Ökosystemingenieure wichtige Beiträge zum Schutz von Wäldern leisten. Wo es Wölfe gibt, werden Rehe und Hirsche vorsichtiger und meiden bestimmte Waldbereiche. Das reduziert Verbissschäden und steigert damit den Gewinn des Holzertrags in Wirtschaftswäldern. Unabhängig von der Nutzung fördern Wölfe Biodiversität und Ökosystemleistungen in Wäldern, darunter etwa die Kohlenstoffbindung

Weltweit würde der Schutz von Wölfen der Atmosphäre jährlich 260 Millionen Tonnen CO₂ entziehen. Beim aktuellen Preis für eine Tonne CO₂ ergibt sich allein daraus ein Wert der weltweiten Wolfspopulation von 15,6 Milliarden Euro! Die Frage „Jagd auf den Wolf oder nicht?“ zeigt wieder einmal, dass die Politik gut beraten wäre, ihre Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen.