Der Wolf geht um - Born to be wild

Born to be wild:

"Hi Leute, noch lebe ich:  🐺*ahuuuh*!"

Hallo Leute, ich bin der GW 852m und bin immer noch da. Ich stamme aus einem sesshaften Rudel in Niedersachsen und lebe seit 2017 im Nordschwarzwald, so zwischen Murgtal und Enztal ist mein Revier. Dort gefällt's mir ziemlich gut, es gibt genug zu fressen, kranke Wildtiere und so. Nur wenn's ganz knapp wird und ich nix im Magen hab', probier' ich auch mal ein Schaf oder eine Geiß aus. Das letzte Mal im August22 hat das leider nicht so gut geklappt, die zickige Geiß hat meinen "Übergriff überlebt" (was für ein doofes Wort für Abendessen), aber die war eh uralt und hätte nie und nimmer jemandem geschmeckt! Den Menschen weiche ich besser aus, denn meistens sind die so richtig blöde Panikmacher, die mir alles Mögliche andichten: Rotkäppchen plus Großmütter fressen und noch andere unsinnige Märchen. Derzeit wollen sich b-prominente Hinterbänklerköpfe profilieren und fordern meine "Entnehmung", das heißt in Wirklichkeit "Abschuss", also "Ausrottung". Aber hallo, mit welchem Recht eigentlich? Mal ehrlich Leute, es gibt doch europaweit keinen einzigen Nachweis, dass ich oder einer meiner Artgenossen euch Menschen jemals was Schlimmes angetan habe! Bedrohen, verletzen, töten, so was macht ihr Menschen doch nur unter euch selbst. Und euer Schnitzel fress ich euch bestimmt nicht weg, das kommt nicht von der Viehweide, das kommt vom den riesigen Fleichfabriken mit Massentierhaltung. - Es gibt auch noch was Hoffnungsvolles auf dieser unserer gemeinsamen Welt: Ab und zu durchstreifen nämlich fremde Wanderwölfe das Revier, grad sind 2 Kumpels, der GW 2672 aus Oesterreich und der GW 2770m aus Sachsen-Anhalt, auf Besuch bei mir in der Gegend. Leider traben immer nur Jungs kurz vorbei - schade, wenn mal eine Wölfin käme, dann könnten wir ein Rudel gründen, das wäre super - auch für den Schwarzwald.

Abschließend noch eine persönliche Bitte an den Herrn Minister von der christlichen Partei hierzulande: "Lieber Herr Haug, einst rettete Ihr Glaubensbruder Noah meine Vorfahren. Das tat er, weil in einem großen Buch steht: "Du sollst die Schöpfung wahren!". Echt gut dieser Noah, denn wir Wölfe sich doch auch Geschöpfe. Herr Haug, Sie kennen sicherlich ebenfalls dieses Buch, nun lesen Sie doch einfach ab und zu drin was nach.

Mit wölfischen Grüßen, 🐺GW582m aus dem Schwarzwald."


Hurra, ich habe einen Kumpel bekommen:

Im westlichen Nordschwarzwald hat sich der Wolfsrüde GW2672m niederge­lassen. Durch einen Losungsfund vom 18. Februar 2024 aus dem Gemeindege­biet Baden-Baden konnte das Tier erneut genetisch nachgewiesen werden. Zuletzt gab es vom selben Individuum im Juli 2023 einen genetischen Nachweis.

Gemäß nationaler Monitoringstandards ist die Territorialität des Rüden damit nun bestätigt. Das Revier dieses territorialen Einzeltiers wird fortan als „Hornisgrinde“ (HOR) bezeichnet. Der Wolfsrüde GW2672m (Haplotyp HW01) stammt ursprünglich aus dem Gutenbrunn-Rudel in Österreich und ist vermutlich zwischen 3 und 4 Jahre alt.

Weitere Informationen zur Einordnung der Wolfsindividuen und der -territorien gibt es auf der Internetseite des FVA-Wildtierinstituts. Das Institut ist mit dem Wolfsmonitoring beauftragt.

Das Territorium des neuen sesshaften Wolfes liegt im bestehenden Förderge­biet Wolfsprävention Schwarzwald. Hier sind auch die Wölfe GW852m, GW1129m, GW2103m sowie GW2407f resident. Insgesamt werden derzeit also 5 sesshafte Wölfe in Baden-Württemberg gelistet. Vom Wolfsrüden GW2103m (Revier Feldberg) liegen allerdings seit längerer Zeit keine Nachweise mehr vor. Es ist fraglich, ob dieser sich noch in der Region aufhält.

Quelle: FVA Wolfmonitoring 🐺 - Fotos: Martin Hauser (Revierförster/LFA-Rastatt) - Text: Satire

Hornisgrindewolf

Ich Steppenwolf trabe und trabe,
Die Welt liegt voll Schnee,
Vom Birkenbaum flügelt der Rabe,
Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
In die Rehe bin ich so verliebt,
Wenn ich doch eins fände!
Ich nähm’s in die Zähne, in die Hände,
Das ist das Schönste, was es gibt.
Ich wäre der Holden so von Herzen gut,
Fräße mich tief in ihre zärtlichen Keulen,
Tränke mich satt an ihrem hellroten Blut,
Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen.
Sogar mit einem Hasen wäre ich zufrieden,
Süß schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht –
Ach, ist denn alles von mir geschieden,
Was das Leben ein bißchen fröhlicher macht?
An meinem Schwanz ist das Haar schon grau,
Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen,
Schon vor Jahren starb meine liebe Frau.
Und nun trab ich und träume von Rehen,
Trabe und träume von Hasen,
Höre den Wind in der Winternacht blasen,
Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

"Traktat vom Steppenwolf" - Herman Hesse - Foto: Schwarzwaldwolf - gemeinfrei - Ess