29.04.2021

Grundrecht auf Zukunft

 Quelle: Der Spiegel
 
An die Egotripper der Generation Ü 60

Aber Hallo: Es ging doch bei uns Alten von Jugend an nur aufwärts. Alle unsere Bedürfnisse wurden befriedigt, zu teils beträchtlichem Wohlstand haben es viele gebracht, die meisten konnten sich mehr leisten als sie benötigten. Wenn Luxus und Spaß oberstes Lebensziel war, dann hat das doch wunderbar geklappt. Eine Menge wurde ergattert, auch dank wahnwtzigem Ressourcenverbrauch auf Kosten von Menschen in armen Ländern.
Aber was wird von unserer Generation hinterlassen?
Warum kann man  nicht mal auf einige dieser angeblichen Freiheiten verzichten, die für die nächste Generationen enorme Unfreiheiten zur Folge haben werden. Das sind doch oft nur Kleinigkeiten. Beispielsweise könnten wir ja auch mal *NEIN* sagen und Rückgrat zeigen, es geht, wenn man will! Hallo Leute mit gesichertem Ruhestand, wo bleibt das soziale Gewissen? Ein Daherleben ohne Rücksicht auf die Zukunft unserer Kinder und Enkel macht doch keinen Spaß.
(Pamphlet von Ess Jg.1947)
 
Not in my Backyard (Nimby)
 
Die allermeisten Leute wollen eine lebenswerte Zukunft und befürworten die Energiewende. Doch wenn ein Windrad oder ein Strommast in Sichtweite aufgestellt werden soll, dann verwandelt sich bei manchen ihre Zukunftsvision schnell in einen panisch heftigen Aufschrei. Auslöser ist das „Not in my Backyard“-Syndrom, und diesen Menschentyp nennt man dann abgekürzt: Nimby.
Ein Nimby-Protest ist allerdings nicht das begrüßenswerte Engagement von Initiativen, Verbänden und Gruppen, die sich gegen großmännische Machenschaften ohne Berücksichtigung menschlicher Belange zur Wehr setzen. Beispielsweise gegen die unbeherrschbare Atomkraft, die Waffenlobby und die fürchterlichen Kriege, den fortschreitenden Klimawandel, die Ausbeutung der Ressourcen in der 3.Welt und deren Folgen, oder gegen Ungleichheit und Rassismus! So etwas ist wünschenswerte, aktiv gelebte Demokratie, in der sich Menschen einsetzen, um eine bessere Welt für alle zu ermöglichen.
Die Nimbywut geht anders. Sie bricht aus, wenn's einzig um die Befriedigung der eigenen materiellen Bedürfnisse geht. Droht hier Gefahr, entlarvt sich der sonst so selbsternannt: "tolerante" Bürger, der Hipster wird zum Wutbürger. Ursache dieser Phänomene sind oft ausgeprägte kleinfamiliäre Gruppenegoismen. Nur wenn's um die unmittelbaren eigenen Interessen geht, wird man initiativ und handelt gegen die demonstrativ vorgetäuschten heren Prinzipien. Beispiele findet man genug. Und natürlich hat das Verhalten mancher Bürger während der Pandemie auch etwas mit dem Nimby-Syndrom zu tun: Lebensmotto: *Me, myself - I*. (Traktat von Harald Braun)